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Der Freizeit-Planer

Hurra, Evolution! Die private Kommunikation hat einen Schritt nach vorne getan: Unter www.freitimer.net sagt uns nun endlich ein Tool, wie wir unsere Freizeit schnell, einfach und vor allem effektiv organisieren können.

(Natürlich muss man dem Netz mal wieder ein paar persönliche Daten füttern, um Teil dieser einzigartigen Community zu werden, aber wen stört’s?)

Der Freitimer also bietet der Gesellschaft ein sehr öffentliches privates schwarzes Brett, an das Freizeitveranstaltungen gepinnt werden sollen. Der User und alle seine Freunde loggen sich ein und können nun koordinieren, wann es ins Kino geht, wer gegen wen am Samstag Basketball spielt und so fort. Mittels eines ausgeklügelten Email-Sms-Informations-Systems weiß man nun stets, wann etwas los ist und wer mit wem.

Fabian Angerer, einer der Erfinder dieses neuen Web2.0-Gymmicks, erklärte unlängst in einem Interview, wie er auf die Idee zu Freitimer gekommen ist: „Irgendwie sind wir nicht mehr fähig, Zusagen zu machen“. Ach so.

Da stelle man sich doch nur einmal vor, man müsse seine 20 bis 30 engsten Freund per Telefon (!) kontaktieren, um dann verbindliche (!!) Verabredungen zu treffen. Für den Mensch der Postmoderne eine Zumutung.

Wie schön, dass man jetzt zusätzlich zu seinem Terminkalender ein papierloses Freizeitbüro auf dem Schirm hat, das einen an Termine erinnert und beharrlich Zu- und Absagen fordert. Auf dem schwarzen Brett (das natürlich nur für die Menschen aus der eigenen Community sichtbar ist) kann man dann erklären, warum man kommt. Oder auch nicht („Sorry, Hund gestorben“).

So weit, so gut. Ein bisschen Wehmut an die Zeiten guter alter Kommunikationsformen packt einen dann doch. Wie schön war es, als man Menschen bei Einladungen zu seiner Party noch gezielt übergehen konnte. Wenn man aus persönlicher Antipathie oder temporärer Überbeanspruchung einfach mal vergessen hat, den ein oder anderen Freund anzurufen.

Jetzt, im autoritären Freizeitsystem, wird das so schnell nicht mehr passieren. Denn hier sind alle gleich. Also auf, Usergenossen, in die Zukunft – wo Privates nicht mehr privat ist und uns die individuelle Entscheidung darüber abgenommen wird, mit wem wir unsere Freizeit verbringen möchten und mit wem nicht.